Von Mythen zu Erkenntnissen?  Gegenwart und Zukunft empirischer Forschung zur Kulturellen Bildung
7. Tagung des Netzwerks Forschung Kulturelle Bildung

Bundesakademie für Kulturelle Bildung, Wolfenbüttel
25.–27. Oktober 2016

Unter dem Titel „Von Mythen zu Erkenntnissen? Gegenwart und Zukunft empirischer Forschung zur Kulturellen Bildung“ fand vom 25. bis 27. Oktober die 7. Jahrestagung des Netzwerks Forschung Kulturelle Bildung in Zusammenarbeit mit dem Stiftungsverbund Rat für Kulturelle Bildung e.V. und der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel statt. Rund 160 Forscher_innen und Praktiker_innen diskutierten auf der ausgebuchten Tagung, welche Forschungsfragen gestellt und methodischen Zugänge gewählt werden müssen, um gesicherte Erkenntnisse zu Wirkungen Kultureller Bildung formulieren zu können.

In insgesamt 13 Panels präsentierten Wissenschaftler_innen aus unterschiedlichen Bezugsdisziplinen ihre aktuellen Forschungsprojekte und stellten diese zur Diskussion. Zwei Keynotes von Dr. Rubén A. Gaztambide-Fernández und Anna Chrusciel – zu Beginn und zum Abschluss der Tagung – bildeten den inhaltlichen Rahmen für die Veranstaltung. Vier Labore, in denen das Tagungsthema auf künstlerisch praktische Weise erfahrbar gemacht wurde, vervollständigten das ausdifferenzierte Tagungsprogramm ebenso wie sechs zu einer kurzen Positionierung anhaltende „Key Statements“ und eine Podiumsdiskussion. Strukturiert wurden die eingegangenen und ausgewählten Beiträge in folgende Themenschwerpunkte: Mythen in der Kulturellen Bildung, Praxisforschung, Kompetenzerwerb, (Internationale) Forschungsperspektiven, Kulturelle Teilhabe, Kulturelle Bildung und Schule, Fortbildung in der Kulturellen Bildung, Formale und informelle Bildungsprozesse, Videografie als Forschungsmethode sowie Räume und Wirkungen Kultureller Bildung.

Wie auch im Jahr zuvor erfolgte die Auswahl der Panelbeiträge anhand eines Double-Blind-Review-Verfahrens und wurde im Vorfeld der Netzwerktagung von Expert_innen eines Scientific Committees getroffen. Diesem gehörten folgende Personen an: Dr. Tobias Fink (Theaterpädagogik, Kulturpolitikforschung), Prof. Dr. Verena Freytag (Ästhetische Bildung und Bewegungserziehung), Prof. Dr. Burkhard Hill (Soziale Arbeit, Community Music), Prof. Dr. Fabian Hofmann (Kunstvermittlung,, Kunstpädagogik), Sebastian Konietzko (Philosophie), Sarah Kuschel (Kulturwissenschaft), Prof. Dr. Andreas Lehmann-Wermser (Musikpädagogik), Prof. Dr. Eckart Liebau (Erziehungswissenschaft, Pädagogik), Prof. Carmen Mörsch (Bildende Kunst, Kunstvermittlung), Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss (Kulturelle Bildung), Prof. Diemut Schilling (Bildende Kunst, Praxis Kultureller Bildung) und Prof. Dr. Stephan Schwan (Psychologie).

In ihren Präsentationen fokussierten die vortragenden Wissenschaftler_innen konkrete Forschungsmethoden, theoretische Grundlagen, institutionelle Bezüge, spezifische Zielgruppen oder künstlerische Ausdrucksformen. Deutlich wurde, dass pauschale Wirkungszuschreibungen mit Skepsis zu betrachten sind und die Kulturelle Bildung nicht als Allheilmittel verstanden werden darf und will. Das Treffen zur siebten Netzwerktagung spiegelte jedoch auch die Diversität des gesamten Arbeits- und Forschungsfeldes wider: Kulturelle Bildung wird auf unterschiedlichste Weise, im Kontext diverser Wissenschaftsdisziplinen bearbeitet und ist mit der Notwendigkeit verbunden, die Verständnisse von Kunst, Kultur und Bildung zu klären. So wurden auf der Tagung die genannten grundlegenden Termini bisweilen kontrovers diskutiert.

Die teilnehmenden Forscher_innen und Praktiker_innen nahmen ihre Zusammenkunft zum Anlass, um in einen produktiven Austausch zu treten und weiterführende Fragestellungen zu formulieren: Aus welcher Position heraus agieren Forscher_innen und welche Haltung nehmen sie ein? Wie kann mit begrifflichen Unschärfen umgegangen werden? Wie können wissenschaftliche Erkenntnisse in die Kulturelle Bildungspraxis überführt werden? Auf der abschließenden Podiumsdiskussion wies Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss final darauf hin, dass es zukünftig darum gehen muss, gegenstandsadäquate Forschungsdesigns zu entwickeln, da nur durch diese gewinnbringende Erkenntnisse für die Kulturelle Bildung generiert und die junge Forschungsdisziplin sowie das Praxisfeld gestärkt werden könnten.

Neben dem Forschungskolloquium, das auch dieses Mal im Vorfeld stattfand und dem Ziel des Netzwerks entspricht, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern, wurden auf der Tagung mit den Themenclustern ein neuer Bereich des Netzwerks vorgestellt. Die Cluster stellen eine weitere Möglichkeit dar, sich aktiv im Netzwerk zu beteiligen und hierüber Mitglied in diesem zu sein. Als thematische Zusammenschlüsse von Forschenden und Praktiker_innen der Kulturellen Bildung laden die Themencluster zum Austausch und der Organisation eigener Veranstaltungen, dem Verfassen von Publikationen sowie der Gestaltung von Panels auf den Netzwerktagungen ein. Zum Auftakt konnten mit „Praxisforschung, Fallstudien und Aktionsforschung im Theorie-Praxis-Verbund“, „Kulturelle Bildung international“, „Kulturelle Bildung und Inklusion“, „Kulturelle Bildung und Diversität“ sowie „Kulturelle Bildung und Lebensalter“ fünf Cluster vorgestellt werden, die Interessierten offen stehen.

Das Programm zum Download

Pressemitteilung zur 7. Netzwerktagung