Beteiligte NachwuchswissenschaftlerInnen und ihre Forschungsarbeiten

Miriam Baghai-Thordsen: (Biographische) Bedeutung von aktiven Theatererfahrungen im Kontext Schule

Das Forschungsvorhaben sucht in einem retroperspektivischen Forschungsdesign die subjektiven Bedeutungen von aktiven Theatererfahrungen – insbesondere im Kontext Schule -  zu bearbeiten. Das Dissertationsvorhaben nimmt die u.a. von Klepacki/Zirfas 2013  benannte Forschungslücke auf und sucht die – für die Biographieträger relevanten – Aspekte zu rekonstruieren und etwaige Wandlungs- und Bildungsprozesse zu identifizieren.  Ein besonderes Augenmerk wird zudem auf die performative Dimension im Interviewakt gelegt. Dazu wird ergänzend vergleichend mit Interviews von Akteuren anderer Formen Kultureller Bildung gearbeitet. Die Retroperspektive hebt sich von begleitenden Forschungsdesigns (vgl. Domkowsky 2010) bewusst ab, um die subjektive Deutung unabhängig von unmittelbaren Erfahrungsmomenten (Aufführung) zu ermöglichen. Im theoretischen Diskurs wird eine Analyse von normativen Bildungserwartungen an Theater vollzogen. Damit sucht die Promotion das Spannungsfeld zwischen normativen Bildungserwartungen und subjektiver Deutung zu beleuchten.

Alicia de Banffy-Hall: Community Music in München: Theorie, Praxis und Kulturpolitik

Der Gegenstandsbereich der Dissertation wird durch zwei sich ergänzende methodologische Zugänge beforscht. Der eine als ethnographische Feldstudie von außen deskriptiv an Community Music in München herangehend, in dem bestehende Community Music Praxis aus verschiedenen Blickwinkeln (Kulturpolitik, Praxis und Forschung) beleuchtet und eine Kartographierung erarbeitet wird. Der andere im Sinne von Aktionsforschung durch eine Aktionsforschungsgruppe von innen reflektierend und dynamisch entwickelnd.

Henning van den Brink: Kulturelle Bildung aus der Nutzerperspektive von Kindern

Kulturelle Bildung wird heute zunehmend vor dem Hintergrund ihrer – tatsächlichen oder vermeintlichen – Wirkungen thematisiert. Auch die sozialwissenschaftliche Forschung und noch mehr die Evaluationsforschung zu kultureller Bildung sind von der Wirkungsfrage stark geprägt. Dass bei Teilnehmerinnen und Teilnehmern kultureller Bildungsangebote positive Veränderungsprozesse angestoßen oder vorangetrieben wurden, darin stimmen fast alle empirischen Studien überein, die die outcomes kultureller Bildung untersucht haben. Welche  Veränderungen sich bei welchen Teilnehmenden in welcher Intensität wie und warum ähnlich oder unterschiedlich vollzogen haben, darauf wird, wenn überhaupt,  nur ansatzweise eingegangen.

Ulrike Gerdiken: Funktion und Bedeutung von kultureller Bildung in der Personalentwicklung

Immer mehr Unternehmen arbeiten in ihrer Personalentwicklung mit Elementen der kulturellen Bildung, prominente Beispiele sind die Drogeriemarktkette dm und die Lebensmittelkette Globus. Besprochen werden diese Projekte in Managementzeitschriften, aus Sicht der Erziehungswissenschaften wurden sie jedoch noch nicht erforscht. In dieser Promotion soll darum untersucht werden, welche Gründe Unternehmen bewegen, kulturelle Bildung in ihre Personalentwicklung zu integrieren. Dabei geht es insbesondere um die Fragen, welche Unternehmenskultur in den einzelnen Unternehmen gelebt wird und auf welche wirtschafts- und erziehungswissenschaftlichen Ansätze die Personalentwicklung dieser Unternehmen aufbaut.

Julia Heisig: „New Spaces for the Arts – New Arts for the Spaces“. Kulturvermittlung in mobilen, hybriden und multimedialen Räumen

In meinem Promotionsvorhaben untersuche ich, ob und in welcher Form etablierte Kulturinstitutionen ihre räumlich definierten Gebäude verlassen, um ihrem Bildungsauftrag gerecht zu werden. Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf der Untersuchung von Kulturangeboten im digitalen Raum.
Aktuelle Kulturnutzungsstudien zeigen deutlich, dass nur ein verschwindend geringer Prozentsatz der deutschen Bevölkerung die Angebote der traditionellen Hochkulturinstitutionen nutzt. Einige Kulturinstitutionen haben dies zum Anlass genommen, neue „aufsuchende“ bzw. „nomadische“ Vermittlungsformen und -formate zu entwickeln, die in Deutschland mittlerweile unter dem Oberbegriff „Outreach Programme“ bzw. „Educational Outreach“ zusammengefasst werden. Wenn Kulturinstitutionen ihre definierten (Wissens-)räume verlassen, verlassen Sie damit auch die konstruierte Größe ihres Herrschaftsraumes und müssen sich den Bedürfnissen derer öffnen, die sie bislang gar nicht kennen. Gegebenenfalls müssen sie sogar ihre Begriffe von Wissen, Kunst und Kultur überdenken und neu ausrichten.

Fabian Hofmann: Kunst-Pädagogik, Kunst-Aneignung, Kunst-Vermittlung. Fallspezifische empirische Untersuchungen zu zwei Schulklassen und einer Kita-Gruppe in Kunstausstellungen

Die Kunstbetrachtung ist zentral für die Kunstpädagogik und die Museumspädagogik. Was aber genau bei der Kunstrezeption passiert, also wie ein Kunstwerk auf eine Besuchergruppe wirkt und sich auswirkt, wie sich Besuchergruppen angesichts eines Exponats verhalten und welche Rolle Pädagogen in dieser Situation einnehmen, ist bisher kaum erforscht. Insofern ist es für beide Bereiche entscheidend, die Situation beschreibbar und wissenschaftlich wie praktisch kommunizierbar und bearbeitbar zu machen. Mit dieser Dissertation soll die Lücke zumindest ein Stück weit geschlossen werden.

Martina Janßen: Zwischen „Wildem Basteln“ und „herkömmlichem Basteln“ – eine Studie zur frühkindlichen Bildung im Kindergarten

Die Dissertation entsteht im Rahmen der PRIMEL-Studie. Dort werden in 90 Kindergärten vielfältige Situationen, unter anderem Kunstangebote, videografiert. Im Kindergarten hat „Basteln“ einen hohen Stellenwert, wurde aber bisher kaum empirisch erforscht. Die Dissertation stellt daher die folgenden Fragen:
Welche Bildungspotentiale bietet Basteln den Kindern?
Welche Bedingungen fördern qualitätsvolles Basteln, das ästhetische Erfahrungen und kreative Prozesse ermöglicht?
Was ist konkret in videografierten Angeboten zum „Basteln“ beobachtbar und welche Erkenntnisse lassen sich für eine kreativitätsfördernde frühkindliche Bildung am Datenmaterial gewinnen?

Kalja Kanellopoulos: Innovative Formen von Kommunikation und Interaktion – eine ethnographische Studie an interaktiven und kooperativen Medien im Museum

Längst hat die digitale Revolution auch den kulturellen Bildungssektor erreicht – allen voran die Museen. Als sammelnde, bewahrende, erforschende und vermittelnde Institutionen eröff-net ihnen die digitale Technik neue Chancen und Wege und nötigt gleichzeitig dazu, sich neu en Aufgaben und Herausforderungen stellen zu müssen. Dies betrifft die Katalogisierung, Restaurierung und Untersuchung von Exponaten, aber auch die Art und Weise ihrer Ausstellung. In Bezug auf letztere ist eine Fokusverschiebung zu verzeichnen, die den Museumsbesucher ins Zentrum aller Bemühungen rückt. Jener soll die Ausstellung aktiv erleben. Eng verknüpft mit diesem Erleben ist die Interaktivität mit technischen Artefakten, ebenso wie die soziale Interaktion mit anderen. In diesem Zusammenhang kann zudem eine steigende Bedeutung von Spiel und Narration festgestellt werden. Das  sozialwissenschaftliche Promotionsprojekt im interdisziplinären, von der DFG geförderten und an der TU Chemnitz angesiedelten Graduiertenkolleg CrossWorlds, nimmt eben diese Entwicklung in den Blick. Untersucht werden Kommunikations- und Interaktionsmuster an interaktiven, kooperativen Medien im Museum. Orientierungsgröße ist dabei die face-to-face-Interaktion, gekennzeichnet durch körperliche Kopräsenz und gegenseitige Wahrnehmung der Teilnehmer.

Jessica Knauer: Museen & Kinder: Kulturelle Bildung in Museen

Das Museum als Ort kultureller Bildung, als offene Bildungsinstitution, als Lern- und Erlebnisort, als Ort an dem Bildungsprozesse initiiert werden und an dem Partizipation und kulturelle Teilhabe zentrale Rollen spielen, soll kritisch geprüft und dargestellt werden. Was bedeutet kulturelle Bildung im Museum? Wie wirkt ein Museumsbesuch, wie wirkenmuseumspädagogische Angebote auf die Kinder? Diese und weitere Problem- und Fragestellungen sollen anhand der Forschungsarbeit eruiert werden. Eine zentrale Rolle spielt hierbei die Zielgruppe Kinder. Es soll vor allem untersucht werden, inwiefern Bildungsprozesse bei den jungen Museumsbesuchern initiiert sowie kontextualisiert werden. Besucherorientierung im Museum setzt vor allem bei Familien und Kindern an. Bildungsangebote orientieren sich an den Interessen der jungen Museumsbesucher, doch was bewirken sie bei dieser Zielgruppe? Wie würden die musealen Angebote aussehen, wenn sie die Kinder selbst konzipieren und sogar ihre eigene Ausstellung verwirklichen? Ziel ist es, andere Perspektiven einzunehmen und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Die Kinder sollen nicht als Forschungsobjekte wahrgenommen, sondern als Forschungssubjekte aktiv in den Forschungsprozess mit eingebunden werden.

Sarah Kuschel: Kulturelle Bildung in der nachberuflichen und -familiären Phase am Beispiel der Bildenden Kunst. Potenziale und Wirkungen von Bildungsprozessen für Subjekt und Gesellschaft.

Gegenstand des Promotionsvorhabens sind Kulturelle Bildungsprozesse in der Bildenden Kunst von Menschen im Dritten Lebensalter, der nachberuflichen und nachfamiliären Phase. Ausgehend vom Subjekt werden Verlauf, Wirkungen und Bedeutungen rezeptiv-produktiver Prozesse hinsichtlich Selbst- und Weltverhältnissen erforscht und Potenziale für Subjekt und Gesellschaft heraus-gearbeitet. Im Fokus stehen dabei Wechselwirkungen zwischen Bildungsprozessen und den sozialen Kategorien Alter und Gender sowie Einflüsse auf die Gestaltung der Lebensphase Alter, die Konstruktion von Biografien und gesellschaftliche Partizipation. Die Daten werden mit narrativ-biogrfischen Interviews, in die Skizzen und Arbeiten aus den künstlerischen Prozessen einbezogen werden, erhoben; verortet ist das Vorhaben im Bereich der qualitativen Wirkungs- und Transfer-forschung.

Ursula Rogg: BLICKEN//: Potentiale des Hybriden – junges Wissen im Kontext künstlerischer Projekte

Was empfindet ein 17-jähriger Deutschindonesier beim Betreten einer Barockkirche? Wie erleben dreizehn junge Muslimas die spätmittelalterlich-realistischen Märtyrer – und Kreuzigungsplastiken in einem Museum Berlins? Neroshans, Latifes und Cans (Seh-)Erfahrungen und Wahrnehmungen sichtbar und kommunizierbar zu machen, ist Inhalt meiner künstlerisch-wissenschaftlichen Forschungsarbeit im Rahmen des Ph.D. Studiums an der Bauhaus Universität Weimar. Aufgrund meiner doppelten bzw. hybriden Professionalität als Künstlerin, Fotografin und Kunstpädagogin, habe ich ein wesentliches Interesse am Blick des Anderen, am anderen Blick und Blicken und auch an den Implikationen und Konsequenzen des Angeblickt Werdens. Dieses Interesse ist Ausgangspunkt und Kern meiner Forschungsarbeit. Die entsprechende Untersuchung dieses Blickaustauschs und des damit verbundenen Perspektivwechsels wird mit Jugendlichen mit den Mitteln der Fotografie stattfinden. Ihr Sehen sichtbar und damit produktiv zu machen, scheint mir für einen künstlerischen wie auch für einen kunstdidaktischen Zusammenhang sinnvoll und überraschenderweise innovativ. Bis heute gibt es keine auf Jugendliche zugeschnittene Didaktik des Fotografischen, die über das Technische hinausginge indem sie die omnipräsenten Phänomene des Sehens und Gesehen Werdens, das dem Medium inhärente Rezipieren, Kommunizieren und Projizieren beleuchtet.

Anne Roosen-Runge: Wirkungen und Wirkmechanismen in der theaterpädagogischen Stückentwicklung mit (ehemaligen) Psychiatriepatienten

Theaterpädagogik mit (ehemaligen) Psychiatriepatienten – Wo findet so etwas statt? Wie sehen die Projekte konkret aus? Wer nimmt daran teil? Welche Wirkungen hinterlässt die theaterpädagogische Spielerfahrung bei den Teilnehmenden und was ist im Theaterprobenprozess hierfür entscheidend? Basierend auf einer Bestandsaufnahme über die Theaterarbeit mit (ehemaligen) Psychiatriepatienten und einer wissenschaftlichen Begleituntersuchung in der Psychiatrie, soll diesen Fragen nachgegangen werden.

Mila Ruempler-Wenk: Frühkindliche Bildung und Museumspädagogik - Formen historischen Denkens bei Kindergartenkindern am Beispiel des Museums als historischer Erfahrungsraum.

Museen bieten immer mehr Programme für junge Kinder an, und Kindergartengruppen nutzen das Museum für Exkursionen - häufig im Rahmen ihrer Projektarbeit. Museumspädagogische Angebote in kulturhistorischen Museen zielen darauf ab, Inhalte und Vorgehensweise an den Themen und Interessen der Kinder auszurichten. In der angestrebten qualitative Forschungsarbeit sollen grundlegende Fragen für die Theorie und Praxis von Kultureller Bildung im Museum geklärt werden: Wie gestalten sich Formen historischen Denkens bei Kindergartenkindern aus? Wie setzen sich Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren mit historischen Themen und Objekten auseinander? Was beschäftigt sie im Kindergarten und in Verbindung mit Museumsbesuchen?

Kerstin Saremba: Darstellendes Spiel als ästhetisches Kommunikationsmodell

Ziel meiner Dissertation ist der Entwurf eines neuen Kommunikationsmodells, das die ablaufenden Prozesse innerhalb der theatralen Kommunikation im Schulfach Darstellendes Spiel abbildet. Bisherige Kommunikationsmodelle wie das Organon-Modell von Karl Bühler oder das Vier-Seiten-Modell von Schulz von Thun bieten für verschiedenste Kommunikationssituationen eine Beschreibung. Im Bereich der theatralen Kommunikation fehlt ein solches Modell bislang. Eine eins-zu-eins Übertragung oder Weiterentwicklung vorhandener Modelle auf das Theater bzw. das Fach Darstellendes Spiel ist hier jedoch nicht sinnvoll, da sich das Theater anderer Zeichen(-systeme) bedient und weitere Parameter wie „der Zuschauer“ wie auch vorhandene ästhetische Prozesse zu berücksichtigen sind. Auch die zentrale Annahme, dass die nonverbale Kommunikation sich nicht von verbalen Aspekten trennen lässt, führt so zielsicher auf ein neuartiges „Ästhetisches Kommunikationsmodell“, welches seine Nachhaltigkeit dadurch erlangt, dass es auch im schulischen Unterricht praktisch verwendbar ist, wenn auch in didaktisch reduzierter Form. Die vorliegende Arbeit analysiert erstmals umfassend theoretisch und praxisorientiertdie theatralen Kommunikationsprozesse.

Nicola Scherer: Internationale Theaterfestivals und ihre Formate. Raum für künstlerische Partizipation und ein transnationales Europa?

Innerhalb der Dissertation werden internationale Theaterfestivals und ihre künstlerischen und vermittelnden Formate auf ihr partizipatives Potential hin untersucht. Fragen die dahinter stehen sind z.B.: Bieten internationale Theaterfestivals Raum zur Partizipation für ein internationales Publikum? Leisten internationale Theaterfestivals einen Beitrag zu einer „europäischen Identität“?

Astrid Schorn: „Kopfüber in die Manege der Gesellschaft!?“ - Sozialer Zirkus aus der Sicht von Jugendlichen

Weltweit wächst in den letzten zwanzig Jahren die Popularität von Sozialem Zirkus mit Kindern und Jugendlichen, der insbesondere sozial Benachteiligten regelmäßige Zirkusproben und -auftritte anbietet. Zahlreichen Wirkungsbehauptungen über eine Entwicklungs- und Persönlichkeitsförderung steht jedoch ein empirisches Forschungsdesiderat gegenüber. Eine Nutzer*innenperspektive wurde bisher nicht eruiert.

Eric Sons: Ästhetisches Handeln als Auflage. Eine mikrosoziologische Untersuchung von kultureller Bildungsarbeit mit straffällig gewordenen Jugendlichen

Die pädagogischen Formate und die in außerschulischen Jugendkulturprojekten praktizierten künstlerisch-sozialen Handlungsprozesse, durch die (bildungs)benachteiligte Jugendliche über Kunst ästhetisch gebildet und gefördert werden, sind bis jetzt wenig erforscht. Mit Hilfe der Rekonstruktion der subjektiven Bedeutungen, die Akteure dieses Sektors ihren Erfahrungen, Handlungspraktiken etc. zuschreiben, soll das theoretische Verständnis derselben verbessert werden. In der exemplarisch ausgewählten Frankfurter Bildhauerwerkstatt Gallus, in der straffällig gewordene und vorwiegend bildungsbenachteiligte Jugendliche im Rahmen ihrer gerichtlich verordneten Sozialstunden Skulpturen herstellen, wird mittels qualitativer Interviews, teilnehmender Beobachtungen und Dokumentenanalysen untersucht, wie die Jugendlichen gefördert und kulturell-ästhetisch gebildet werden.

Juliane Steinmann: Theater mit den Allerkleinsten. Künstlerische Impulse und pädagogische Rahmungen im Theater mit Drei- bis Fünfjährigen

Das Ziel dieser Arbeit ist es, neue gedankliche Ansatzpunkte zu liefern, die eine theoriebasierte und reflektierte Mischungaus künstlerischen und pädagogisch motivierten Anteilen in der theaterpädagogischen Praxis mit kleinen Kindern zwischen drei und fünf Jahren befördern. Ich setze dabei voraus, dass Theater mit den Allerkleinsten als professionelles Kooperationsgeschehen zwischen AkteurInnen des Theaters, ausgebildeten TheaterpädagogInnen, ErzieherInnen und Kindertagesstätten – sowie mit den weiteren Gruppen Eltern und Kinder – gestaltet wird. Meine empirischen Beispiele (s.u.) stammen ebenfalls aus Kooperationsprojekten zwischen Theatern und Kitas. Von besonderer Relevanz für den Untersuchungsgegenstand sind die Themenfelder Theater als Kunstform und Pädagogik der frühen Kindheit. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass sich die KünstlerInnen im Theater für die und mit den Allerkleinsten und die AnbieterInnen theaterpädagogischer Angebote genauso wie ErzieherInnen und Leitungen von Kindertagesstätten mit der theoretischen und praktischen Ausbalancierung dieser Themen auseinandersetzen (müssen), um hierin ihre jeweils eigene Haltung und eine ihnen gemäße Umsetzung zu finden. Daraus abgeleitet stellt sich die Frage, inwiefern Theater mit den Allerkleinsten als Bildungsgeschehen und insbesondere als frühkindliche kulturelle Bildung verstanden werden kann.

Henning van den Brink: Der kindliche Erfahrungsraum kulturelle Bildung

Wie die gesamte Kinder- und Jugendhilfe steht die kulturelle Bildung in besonderem Maße unter erhöhtem Erwartungs- und Legitimationsdruck, die Notwendigkeit und Qualität ihrer Arbeit mit entsprechenden Wirksamkeitsnachweisen zu belegen. Im Zuge dieser Entwicklung rückten die bisher fast ausschließlich aus Plausibilitätsannahmen und Praxiserfahrungen abgeleiteten Wirkungen kultureller Bildung z.B. auf die selbstbezogenen Kompetenzen der Teilnehmer/-innen in den Fokus von wissenschaftlichen Untersuchungen. Dass sich die Selbstwirksamkeit – d.h. „die individuell ausgeprägte Überzeugung eines Menschen, in einer bestimmten Situation angemessene Verhaltensresultate erzielen zu können“ BANDURA (1997: 21) – bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmer kultureller Bildungsangebote zum Positiven verändert hat, darin stimmen also fast alle Untersuchungen überein, die sich bisher mit den outcomes kultureller Bildungsangebote beschäftigt haben (v.a. AULKE et al o.J., 2006; BAMFORD 2006; BASTIAN 2000; DOMKOWSKY 2008; EBERLE 2009; FINK 2012; FINKE/HAUN 2001; GREIF 2004; KOSUBEK/BARZ 2011; LINDNER 2004, 2008;). Ziel der geplanten Arbeit ist es, anhand eines Projekts, in dessen Rahmen Grundschulkinder im Alter von neun bis elf Jahren innerhalb der Projektlaufzeit von 2006 bis 2009 drei Musicals erarbeiteten, probten und aufführten, die Veränderungen, die sich neun bei den teil- nehmenden Kindern in einer von insgesamt vier Kleingruppen hinsichtlich ihrer Einstellung, ihres Verhaltens und ihrer Kompetenzen vollzogen, empirisch zu rekonstruieren.

Gudrun Vater: Übergang Schule – Beruf; eine Herausforderung für Jugendliche aus Förderschulen. Die Bedeutung einer theaterpädagogischen Intervention zur Förderung des Selbstkonzeptes und arbeitsrelevanter Kompetenzen

Heilsversprechungen in der Theaterpädagogik sind weit verbreitet, im Gegensatz dazu existieren bislang nur wenige fundierte Studien, die die postulierten Wirkungsweisen auch empirisch belegen. Ob und inwieweit Theaterspiel ein geeignetes Bildungsangebot ist, um junge Menschen in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung zu unterstützen, wird in dieser Arbeit anhand der Evaluation eines Theaterprojekts an sechs Förderschulen in Köln untersucht.

Birgit Wolf: Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. – Kulturelle Bildung zwischen jugend-, bildungs- und kulturpolitischen Entwicklungen

Kulturelle Bildung ist en vogue und wird oft mit der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung in Verbindung gebracht. Diese Erfolgsgeschichte begann 1963 mit der Gründung der Bundesvereinigung Musische Jugendbildung e.V.. In den vergangenen 50 Jahren haben sich Anliegen und Aufgaben der Bundesvereinigung, die gesellschaftlichen Bedürfnisse und damit auch die Begrifflichkeiten und Hintergründe geändert. Das Wechselspiel zwischen politischen Vorgaben und Anforderung sowie dem eigenen Verbandsinteresse – der Stärkung der Kulturellen Bildung auch im Zusammenspiel mit den Mitgliedsverbänden – gilt es zu erforschen.