Forschungskolloquium Vol. 11
„Am Ende des Tages hinter dem Vorhang“

Zum 11. Mal fand vom 04. bis 06. September 2017 das Forschungskolloquium des Netzwerks Forschung Kulturelle Bildung statt, wie schon so häufig in der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel. Für viele von uns bereits ein heimischer Ort, ein Ort der Zusammenkunft, der Inspiration, des kritischen Denkens und der Ruhe. Dieses Treffen hatte seinen ganz besonderen Charme, denn es war außergewöhnlich klein. Wir waren acht Doktorand_innen und wurden wissenschaftlich von Prof. Dr. Fabian Hofmann und Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss begleitet. In den sechs Slots hatten wir ausreichend Zeit, uns den jeweiligen Themen der Teilnehmenden intensiv zu widmen.

Die Schwerpunkte in den Vorstellungen waren wie immer vielfältig: Silke Ballath thematisierte ihre Auseinandersetzung mit Lefebvre und wie häufig im Kolloquium ergab sich hierbei ein Austausch zur Verortung der Arbeit, die der inhaltlichen Fokussierung dient und uns davor bewahrt, statt einer Dissertation gleich drei zu schreiben. Zwei neue Teilnehmerinnen, Eliana Schüler und Anne Hartmann stellten ihre, in einem Forschungsverbundprojekt eingebundenen, Projektvorhaben vor. Ihnen bot das Kolloquium die Möglichkeit, erste Ideen und Ansätze zur Diskussion zu stellen, um die eigene Fragestellung zu finden und zu schärfen. In anderen Beiträgen wurde das Kolloquium zum Arbeitskreis, der es ermöglicht, gemeinsam über Materialien nachzudenken. So lasen wir einen Text zur Leseförderung von Jungen, um ihn mit Teresa Streiss´ Kategorien zu durchleuchten und zu untersuchen. Im Beitrag von Malte Pfeiffer nahmen wir eine Theaterszene, die im Rahmen seines Forschungsprojektes von Schüler_innen nach einer Exkursion zu einem Bio-Bauernhof entwickelt wurde, mithilfe seines Kategoriensystems und eigener offener Codes auf ästhetische Praktiken hin in den Blick. In meinem Beitrag wurden kurze Statements von Teilnehmenden verschiedener Psychiatrieerfahrenen-Theater mithilfe eines inhaltsanalytischen Kategoriensystems kategorisiert. Diskutiert wurde hierbei kein Richtig oder Falsch, es ging also weniger um das Überprüfen von Kategorien, als vielmehr um methodische Herangehensweisen und Blickwinkel, sowie deren Sinnhaftigkeit im Kontext der Forschungsfrage.

Die Themen der entstehenden Forschungsarbeiten betreffen die künstlerischen Sparten Literatur, Theater(-pädagogik), Bildende Kunst – häufig auch Musik und Museumspädagogik sowie Kulturelle Bildung an Schulen. Die methodischen Zugänge sind dabei divers: Neben der Grounded Theory sind beispielsweise die Inhaltsanalyse und Diskursanalyse vertreten. Die Materialien umfassen narrativ-fokussierte Interviews, Leitfadeninterviews und Gruppendiskussionen, aber auch Videoanalysen, teilnehmenden Beobachtungen, Dokumente und Berichte bis hin zu Rahmenlehrplänen und Curricula. Und genau das macht den besonders produktiven Kontext des Kolloquiums aus: Hier findet eine Vernetzung statt, eine Verschränkung von Ideen und Wissen, das immer wieder auch zusammenführt und verbindet.

Die Teilnahme am Kolloquium hat mir wieder einmal gezeigt, dass sich hier ein Raum öffnet, in dem mit- und nachgedacht wird, in dem wir unsere Fragestellungen, Theorien und Methoden überprüfen und weiterentwickeln können. Hier können wir Datenmaterial gemeinsam bearbeiten, die eigene Perspektive erweitern und überdenken, unsere Gedanken schärfen. Der Ansatz des ‚critical friend‘ funktioniert. Es wird geprüft, weiterentwickelt, fokussiert, aber immer mit gegenseitigem Respekt und dem Wunsch, sich weiterzuhelfen. Mir persönlich hilft das Kolloquium sehr, denn meine Wurzeln liegen in der quantitativen Psychologie. Auch wenn ich nun schon seit einiger Zeit Teil des Kolloquiums bin, ist vieles für mich immer wieder neu. Ich stolpere über Theorien, die ich nicht kenne, über Gedankengänge, die ich nachvollziehen muss, versuche meine Arbeit im Feld der Kulturellen Bildung einzuordnen, gleichzeitig aber auch mit meiner Forschungstradition zu verknüpfen. Kurz gesagt: Ich lerne jedes Mal dazu und nehme ein kleines Arbeitspaket mit an meinen Schreibtisch, ein Bündel von Gedanken und Ideen, die jetzt integriert werden müssen und mich auf dem Wege zur fertigen Dissertation wieder einen Schritt weiterbringen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Epilog:

Nicht zuletzt muss an dieser Stelle gesagt werden, dass sich am Ende des Tages hinter dem Vorhang keine böse Doktormutter, keine Ratte und auch kein Poltergeist versteckt. Nein, es ist einfach nur Walter, der manchmal durch wogende Weizenfelder spaziert, Poststrukturalismus rückwärts buchstabiert und jeden Tag genießt. Denn auch zum Quatschen, Ausklingenlassen, Spielen und Lachen ist auf dem Doktorandenkolloquium Zeit. Da kann auch schon einmal ein kleiner, erfreulicher Insider entstehen, der uns mit einem Grinsen zurückdenken und vorfreuen lässt. Bis bald!

Anne Roosen-Runge

Forschungskolloquium Vol. 10
"Ich suche weiter und komme wieder" #Austausch #Energie #Bubble

Zum bereits 10. Treffen des Forschungskolloquiums „Kulturelle Bildung“ kamen vom 13.-15. März 2017 20 neugierige Wissenschaftler*innen an der Bundesakademie Wolfenbüttel zusammen, um gemeinsam über Kulturelle Bildung in all ihren Facetten zu diskutieren und intensiv nachzudenken. Die Motivation der Teilnehmer*innen deckte auch dieses Mal ein großes Spektrum ab: Es gab Raum, um als Gast in einem geschützten Rahmen erste Dissertationsideen zu äußern, bereits erhobenes empirisches Material zur Diskussion zu stellen , eine Probedisputation zu halten, neuem Input zu lauschen , sich davon inspirieren zu lassen oder sich an eine abgeschlossene Dissertation anschließende Forschungsgedanken weiterzuverfolgen (u.a. Wirkungen in der Kulturellen Bildung, pädagogische Kunstkommunikation).

Die wissenschaftliche Begleitung übernahmen erneut Prof. ‘in Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss, Prof. ‘in Dr. Juliane Gerland, Prof. Dr. Fabian Hofmann sowie Dr. Tobias Fink.

Ich war als Neuling in der Rolle des Gasts dabei und konnte viele neue Eindrücke sammeln: So herrschte die zwei Tage eine konzentrierte, durchweg angenehme, kollegiale und wertschätzende Atmosphäre, die es erlaubte, trotz unterschiedlichster Heimatdisziplinen, an einem gemeinsamen Thema zu arbeiten. Die Bereitschaft der Teilnehmer*innen, sich in unterschiedlichste Diskurse einzudenken und sich auf neue Gedankenpfade einzulassen, empfand ich dabei als sehr ausgeprägt.

Auch im Rahmen dieses Forschungskolloquiums wurden Fragen der Passung von Theorie – Methoden – Empirie diskutiert – trotz (oder aufgrund) großem Diskussionspotential ist diese „Problematik“ aber spannend und bietet Platz zum Weiterarbeiten und -denken. Auch der Faktor Zeit wurde beleuchtet: So herrschte Konsens darüber, dass (Forschungs-)Dinge einfach gewisse Zeit und Raum brauchen, um sich zu entwickeln und zu wachsen. In diesem Sinne veränderten sich auch die Diskussionen und Gespräche im Verlauf der zwei Tage und wurden beispielsweise beim Abendessen oder Spazierengehen aufrechterhalten. Das Potential von Freiraum und Pausen ist dabei keineswegs zu unterschätzen oder gar als Stillstand zu betrachten, vielmehr als Kreativitätsprozess. Eine Teilnehmerin resümierte am Ende der zwei Tage diesbezüglich äußerst treffend: „Ich habe kaum einen Ort, an dem ich das kann“.

Am Ende waren sich alle Teilnehmer*innen darüber einig, dass das zweitägige Abtauchen in die „Forschungskolloquiums-bubble“ äußerst fruchtbar und inspirierend war, sodass alle mit neuer Energie („Feuer“) und frischen Ideen aus Wolfenbüttel abreisten. Trotz vieler Kilometer Distanz und unterschiedlichster Wirkungsstätten bietet das Forschungskolloquium des Netzwerks immer wieder eine tolle Möglichkeit, um Gemeinsamkeiten und Überschneidungen zu entdecken – diese Interdisziplinarität und Perspektivenvielfalt spiegelt den Ausdruck unserer Zeit!

Und wenn die verspürte Energie doch im Alltag wieder verpuffen sollte, das nächste Zusammenkommen des Forschungskolloquiums Anfang September ist bereits in meinem Kalender notiert!

Carolin Obermeier

Nachwuchswissenschaftlerinnen des Forschungskolloquiums zu Gast in der Winter School "Spectra of Transformation"

Vom 20. – 24. Februar 2017 fand die Winter School „Spectra of Transformation – International Winter School and Workshop for Research in Aesthethic, Arts and Cultural Education“ in Nürnberg statt. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Institut für Pädagogik der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg in Kooperation mit dem Netzwerk Forschung Kulturelle Bildung und dem UNESCO Chair for Arts and Cultural Education (Universität Erlangen-Nürnberg). Bei der international angelegten Winter School kamen Teilnehmende aus Estland, Litauen, Portugal, Russland, Spanien Finnland, der Schweiz, Österreich, Polen und Deutschland zusammen, um Ihre Forschungsarbeiten zur Diskussion zu stellen.

Neben „Kick-Off Präsentationen“ standen täglich zwei parallel stattfindende Workshops zu den Themen Postmigration/Postkolonialisierung, Digitalisierung, Demografie, Politik, Visuelle Kultur und Methoden auf dem Programm. Im Laufe der Winter School wurden Dissertationsvorhaben mit unterschiedlichsten internationalen sowie interdisziplinären Perspektiven vorgestellt und die Diversität der Kunst- und Kulturszene besprochen.

Für mich persönlich war der Methoden-Workshop von besonderem Mehrwert; ich nutzte die Gelegenheit, bereits erhobenes Interviewmaterial mit einer mir unbekannten Methode zu analysieren und infolgedessen mein Forschungsdesign zu hinterfragen. Wie können unterschiedliche Forschungsmethoden kombiniert werden, um dem Forschungsgegenstand adäquat zu begegnen? Fragen wie diese führten sowohl in den Workshops als auch in den Pausen zu angeregten Diskussionen unter den Teilnehmenden. Thematisiert wurde auch der Umgang mit diskursbestimmenden Begrifflichkeiten, da diese im internationalen Vergleich unterschiedlich gedacht, definiert und verwendet werden. Ein bunt gestaltetes Abendprogramm – gemeinsamer Kinobesuch und ein fränkischer Abend – luden darüber hinaus zum Kennenlernen und Netzwerken ein.

Die intensiven Gespräche über bzw. aus unterschiedliche(n) Forschungsperspektiven sowie die Vielfalt an Fragestellungen in den unterschiedlichen Disziplinen und Ländern haben mir neue Sichtweisen eröffnet, so dass ich mit unglaublich viel Motivation und neuen Ideen im Koffer von der Winter School abreiste.

Ilkay Doğan

Forschungskolloquium Vol. 8 – "Echt anstrengend, aber enorm produktiv!"

Das mittlerweile 8. Treffen des Forschungskolloquiums fand vom 16. - 18. Februar 2016 an der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel statt und bot zum wiederholten Male einen Rahmen, in dem sich Nachwuchswissenschaftler_innen verschiedener Disziplinen über ihre jeweiligen inhaltlichen und methodischen Fragen austauschten und kollegial berieten. Das intensive gemeinsame Nachdenken und die Klausuratmosphäre der Kolloquien motiviert die Beteiligten immer wieder trotz teilweise widriger Promotionsbedingungen dabei zu bleiben und vermittelt die Freude am Forschen. Geprägt durch die unterschiedlichen Phasen, in denen sich die entstehenden Qualifikationsarbeiten befinden, wurden diverse Fragen diskutiert. So waren die Abgabe einer fertig gestellten Dissertation (Herzlichen Glückwunsch, Ulrike!) und sich daran anschließende Fragen bezogen auf die Postdoc-Zeit Thema, aber auch die erste Konzeption eines neu entstehenden Promotionsvorhabens. Die Weitergabe von erworbenem Wissen und Erfahrungen bereicherte und inspirierte hierbei auch dieses Mal die erneut und erstmals teilnehmenden Wissenschaftler_innen, die aus dem ganzen Bundesgebiet angereist waren. Es wurde klar: sich in stabil geglaubten Denkansätzen verunsichern zu lassen, darin liegt die besondere Qualität des gemeinsamen Forschens!

Parallel zur Diskussion der einzelnen Vorhaben thematisierten die jungen Forscher_innen, wissenschaftlich begleitet durch Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss, Dr. Tobias Fink, Prof. Dr. Burkhard Hill und Prof. Dr. Fabian Hofmann, aktuelle und virulente Themen des Forschungsfeldes. Angeregt etwa durch die im Rahmen von Forschung sichtbar werdenden "Gaps" zwischen der Praxis Kultureller Bildung und ihrer Erforschung sowie dem offensichtlichen Bedarf an Grundlagenforschung und theoretischer Fundierung ließen sich immer wieder auch generelle Erkenntnisinteressen verfolgen. Verortet in und geprägt durch die verschiedenen Disziplinen des Feldes, die im Kolloquium vertreten sind, verständigten sich die Nachwuchswissenschaftler_innen beispielsweise über die Notwendigkeit einer disziplinären Zuordnung der entstehenden Arbeiten, die jeweils mit spezifischen Begriffsverständnissen, aber auch methodischen Traditionen verbunden sind.

Einen weiteren, rege diskutierten Punkt stellten die in den verschiedenen Forschungsprojekten sichtbar werdenden Vermittlungspraxen dar. Methodische Ansätzen zur Erforschung dieser jeweiligen Vermittlungsqualitäten und Erkenntnisse über die möglicherweise gerade durch Vermittlungsangebote verhinderte Aneignung von Kunst und Kultur wurden kontrovers diskutiert. Die Rolle und Einbindung von (musealen) Objekten in Aneignungs- und Vermittlungsprozesse sowie die damit verbundenen Herausforderungen, aber auch Potenziale authentischer Materialen zeigt nur ein Thema ästhetischer und Kultureller Bildung, das durch die unterschiedlichen Erfahrungen und Herkunftsdisziplinen der Teilnehmenden produktiv angegangen werden konnte.

Bereichert mit Anmerkungen und konkreten Hinweisen zur wissenschaftlichen Weiterarbeit reisten die Nachwuchswissenschafter_innen nach zweieinhalb Tagen anstrengender, aber auch anspornender Zusammenarbeit ab, um sich im Oktober 2016 erneut an der Bundesakademie zu treffen und die weiter geführten Arbeiten vorzustellen sowie neue Forscher_innen zu begrüßen.

Treffen des Forschungskolloquiums in Lüneburg am 4. und 5.  November 2015

Im Rahmen der 6. Tagung des Netzwerks Forschung Kulturelle Bildung trafen sich zwei Tage lang 15 Nachwuchswissenschaftler_innen an der Leuphana Universität Lüneburg zu intensiven Gesprächen. Diese dienten dazu, die eigenen Dissertationsvorhaben anhand aktueller Problem- und Fragestellungen zu diskutieren. Unter der Veranstaltungsleitung von Dr. Tobias Fink (Universität Hildesheim), Prof. Dr. Burkhard Hill (Hochschule München) sowie Prof. Dr. Fabian Hofmann (Fliedner Fachhochschule Düsseldorf) wurden vielseitige Forschungsarbeiten gemeinsam erörtert.

Die vorgestellten Projekte setzen sich zum Beispiel mit Rahmenbedingungen im Bereich der Kulturellen Bildung auseinander, konkreter: mit der Frage nach dem Verhältnis zwischen Kommunalpolitik und zivilgesellschaftlichen Akteuren. Andere  erforschen (Transformations-)Prozesse der Musikvermittlung in performativen Situationen sowie Transformationsräume von Kulturprojekten an Schulen. Weitere Arbeiten im Kontext Museum fragen nach einer Rekonstruktion von (ästhetischen) Erfahrungen im musealen Raum sowie nach Wahrnehmungs- und Rezeptionsverhalten von Schüler_innen bei einem museumspädagogisch betreuten Besuch. In einigen Fällen wird die Grounded Theory als Forschungsstil verwendet. Doch auch weitere methodische Zugänge wurden vorgestellt. So analysiert eine Forschungsarbeit anhand der multimodalen Interaktionsforschung schulische Theaterräume. Eine andere erstellt mit einer Adaption der qualitativen Inhaltsanalye ein Kategoriensystem zur Aufgabenanalyse künstlerischer Angebote von Fachkräften aus dem Elementarbereich.

Die Bereitschaft zum Austausch ist dabei groß. Zwei Forscher_innen nutzten die Expertise des Forschungskolloquiums vor Ort auch für die Arbeit am empirischen Material: Sie teilten ihr Datenmaterial mit der Gruppe, um Kodierungsmöglichkeiten anzusprechen sowie Kategorien/Sinneinheiten einer zweiten Prüfung zu unterziehen.

In vielen Arbeiten ist die enge Verzahnung  mit der Praxis der Kulturellen Bildung von besonderer Bedeutung. Dies gelingt nicht nur durch die Expertise und Erfahrung einiger Nachwuchswissenschaftler_innen im jeweiligen Handlungsfeld, sondern auch durch die methodischen Zugänge,  die den Bezug zur Praxis immer wieder aufgreifen und thematisieren.

Jessica  Knauer

Die Forschung zur Kulturellen Bildung ist vielfältig. Im Rahmen eines gemeinsamen Regionalgruppentreffens trafen sich fast 20 Nachwuchswissenschaftler_innen aus Deutschland und darüber hinaus in Wolfenbüttel. Sie alle forschen im Rahmen ihrer Promotion, und sie tun dies als Sozialwissenschaftler_innen, Kulturwissenschaftler_innen, Erziehungswissenschaftler_innen oder Medienwissenschaftler_innen. Einige stehen kurz vor dem Abschluss ihrer Arbeit, andere wollen noch ihr Thema schärfen. Im Kolloquium nutzten sie erneut die Möglichkeit, über geeignete Methoden zu diskutieren, eine Interpretationswerkstatt zu initiieren, sich kollegial zu beraten und Erfahrungen über das Leben als Promovend_in auszutauschen.

Im Vorfeld der 5. Jahrestagung des Netzwerk Forschung Kulturelle Bildung trafen sich die Nachwuchswissenschaftler_innen des Forschungskolloquiums am 5. und 6. November 2014 an der Ruhr-Universität Bochum. Zum fünften Mal diskutierten die Teilnehmer_innen orientiert am Ansatz des "critical friend" ihre Forschungsarbeiten und aktuelle methodische, methodologische und theoretische Fragen, mit denen sie sich im Rahmen ihrer entstehenden Dissertationen auseinandersetzen. Neben der Diskussion einzelner konkreter Vorhaben und Forschungsdesigns arbeiteten die Teilnehmer_innen in Werkstätten an empirischem Material und diskutierten grundsätzliche Fragen, Tendenzen aber auch Desiderate der Forschung in der Kulturellen Bildung.

Der kontinuierliche Austausch, der über die bundesweiten Treffen hinaus in den vier Regionalgruppen fortgesetzt und durch die wissenschaftliche Leitung von Dr. Tobias Fink, Prof. Dr. Burkhard Hill und Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss begleitet wird, trägt neben der konstruktiven Förderung der Forschungsarbeiten zur nachhaltigen Vernetzung der Nachwuchswissenschaftler_innen bei. Von der ersten Idee und Entwicklung eines Exposés bis hin zur druckfertigen Qualifikationsarbeit bietet das Kolloquium einen Rahmen, in dem sich die Teilnehmer_innen disziplin- und kunstspartenübergreifend gegenseitig beraten und ihre Erfahrungen und Expertisen, die sie im Laufe ihres Arbeitsprozesses sammeln, untereinander weitergeben. Die durch das Kolloquium entstehenden Kontakte zwischen den Forscher_innen sowie die Anbindung an das Netzwerk reichen dabei über die Zeit der Promotion hinaus. Als sukzessiv wachsende sowie hochschul- und universitätsübergreifende Vernetzung profitieren hierdurch ebenso die nachfolgenden Promovend_innen. Auch bei diesem Treffen des Kolloquiums nahmen zwei neue Forscherinnen erstmalig teil, während die Dissertationen von Dr. Birgit Wolf und Prof. Dr. Fabian Hofmann inzwischen erfolgreich abgeschlossen wurden.

Ermöglicht und gefördert wurde die Autumn School durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Kontext des "Rahmenprogramms zur Förderung der empirischen Bildungsforschung" mit dem Förderkennzeichen 01JG1405.

Die Teilnehmer_innen bei der Autumn School im November 2014 an der Ruhr-Universität Bochum.

Beitrag des Forschungskolloquiums auf der internationalen Tagung InSEA in Melbourne/Australien

Das Forschungskolloquium des Netzwerks Forschung Kulturelle Bildung war mit fünf Teilnehmenden auf dem 34. Weltkongress der International Society for Education through Art (InSEA), einer Organisation der UNESCO, vertreten. Der alle drei Jahre stattfindende Weltkongress fand vom 07.-11. Juli 2014 in Melbourne/Australien unter dem diesjährigen Motto "Diversity through Art – Change / Continuity / Context" statt.

logo insea

Neben den Kolloquiumsteilnehmerinnen Astrid Schorn, Jessica Knauer und Nicola Scherer waren Dr. Tobias Fink als wissenschaftliche Begleitung und Sarah Kuschel, Koordinatorin des Kolloquiums, aktiv an der Tagung beteiligt. In ihrem Vortrag mit dem Titel "Current Arts Education Research in Germany" skizzierten sie den aktuellen Stand und Spezifika der Forschung im Bereich der Kulturellen Bildung in Deutschland. Das Begriffsverständnis von Kultureller Bildung im deutschsprachigen Raum thematisierten sie dabei ebenso wie aktuelle Entwicklungen und zentrale Forschungsthemen sowie nationale (bildungspolitische) Spezifika. In der daran anschließenden Vorstellung des Netzwerks Forschung Kulturelle Bildung, als eine den Diskurs der Kulturellen Bildung mitgestaltende Struktur, stellten sie die bisherigen und geplanten Aktivitäten des Netzwerks dar. Anhand der fünf konkreten und exemplarischen Forschungsansätze der anwesenden Teilnehmer_innen präsentierten sie abschließend das Forschungskolloquium und dessen disziplin- sowie spartenübergreifenden Ansatz als einen zentralen Teil des Netzwerks.

Im Anschluss an die Tagung sprachen und vernetzten sich die Nachwuchswissenschaftlerinnen mit weiteren Forscher_innen der Universität Melbourne sowie mit Praktiker_innen und Vertreter_innen von Kunst- und Kulturinstitutionen in Melbourne sowie weiteren Orten in Australien. Neben den Gesprächen mit Expert_innen im Rahmen der Tagung stellten die Nachwuchswissenschaftlerinnen auch in diesen Kontexten ihre Forschungen vor, diskutierten sie und schlossen sie damit an den internationalen Diskurs an.

InSea Gruppenbild 72dpiDie von den Teilnehmenden geknüpften Kontakte zu Akteur_innen im Bereich der Kulturellen Bildung trugen dazu bei die Arbeit des Forschungskolloquiums sowie des Netzwerks Forschung Kulturelle Bildung international bekannt zu machen. Somit profitierten von der Tagungsteilnahme nicht nur die beteiligten Wissenschaftler_innen, sondern auch das Kolloquium als eine Struktur der Förderung von Nachwuchswissenschaftler_innen. Im Rahmen eines sich anschließenden Wissenstransfers und der Aufarbeitung der erlangten Erkenntnisse wurde die Auseinandersetzung mit international verwendeten Begrifflichkeiten und deren jeweiligen Verständnissen im Bereich der Kulturellen Bildung auf der Summer School des Kolloquiums diskutiert. Differenzierungen zwischen Begriffen wie Kulturelle Bildung, arts education und community education wurden dabei aufgegriffen und auf der Tagung und international populär vertretene Begrifflichkeiten wie beispielsweise "a/rt/ography" thematisiert.

Ermöglicht wurde die Teilnahme an dem internationalen Weltkongress InSEA durch die Förderung des Forschungskolloquiums durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Kontext des "Rahmenprogramms zur Förderung der empirischen Bildungsforschung" mit dem Förderkennzeichen 01JG1405.

Forsch! - Die Summer School des Forschungskolloquiums 2014

Vom 4.-7. August traf sich das Forschungskolloquium des Netzwerks Forschung Kulturelle Bildung zur Summer School in der Bundesakademie. Für vier Tage kamen 14 Nachwuchsforscher_innen aus dem ganzen Bundesgebiet zusammen, um sich intensiv mit ihren aktuellen Fragen zur Promotion auseinanderzusetzen, sich kollegial im Sinne des Ansatzes des "critical friend" zu beraten und gemeinsam an einer Publikation des Kolloquiums zu arbeiten. Die Summer School war das inzwischen vierte bundesweite Treffen des 2013 gegründeten Kolloquiums für Promovend_innen im Bereich der Kulturellen Bildung.

In ihren Qualifizierungsarbeiten beschäftigen sich die Doktorand_innen mit Forschungsfragen, die sich auf verschiedene Kunstsparten wie Theater, Bildende Kunst, Zirkus oder Musik beziehen. Verortet sind die Arbeiten in Disziplinen wie der Soziologie, den Erziehungs- und Kulturwissenschaften oder der Sozialen Arbeit an Lehrstühlen verschiedener Universitäten in ganz Deutschland. Das Kolloquium wurde wissenschaftlich von Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss und Dr. Tobias Fink begleitet, die ihre fachliche Expertise einbrachten.

Über die Vorstellung und Diskussion konkreter Arbeiten hinaus bereicherten die Beiträge von zwei externen Fachreferenten die Diskussionen. Prof. i.R. Dr. Christian Rittelmeyer von der Universität Göttingen sprach über "Bildende Wirkungen künstlerischer Tätigkeiten am Beispiel der Empathieforschung" und Dr. Leopold Klepacki von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg referierte über "Hermeneutik Kultureller Bildung".

Während der Summer School arbeitete eine Gruppe der Nachwuchswissenschaftler_innen darüber hinaus gemeinsam und mit Unterstützung durch Dr. Inken Tegtmeyer an der Konzeption und den Artikeln eines geplanten Sammelbandes. Dieser beschäftigt sich mit Methoden in der Forschung der Kulturellen Bildung und wird 2015 im Kopaed-Verlag erscheinen.

Die Summer School wurde im Kontext des "Rahmenprogramms zur empirischen Bildungsforschung" mit dem Förderkennzeichen 01 JG 1405 durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Die Teilnehmenden sowie Fachreferenten Prof. i.R. Dr. Christian Rittelmeyer und Dr. Leopold Klepacki bei der Summer School im August 2014 in der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel.

Das erste Treffen des Forschungskolloquiums fand vom 28. Februar bis zum 3. März an der Bundesakademie in Wolfenbüttel statt. 15 Promovend_innen aus dem ganzen Bundesgebiet und aus verschiedenen Disziplinen arbeiteten unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss, Dr. Tobias Fink und Prof. Dr. Burkhard Hill gemeinsam an ihren jeweiligen Themen und aktuellen Fragen. Neben der konkreten Unterstützung, die die Gruppe und die Begleitung bietet, trägt das Forschungskolloquium zur Vernetzung der Nachwuchswissenschaftler_innen, die im Bereich der Kulturellen Bildung forschen, über die Zeit der Promotion hinaus bei.

Die Teilnehmer_innen des Forschungskolloquiums im März 2013 in der Bundesakademie in Wolfenbüttel

Im Februar 2014 trafen sich die Teilnehmer_innen des Forschungskolloquiums, um sich erneut über ihre Vorhaben und Forschung in der Kulturellen Bildung  auszutauschen. Neben den thematischen Aspekten wurden auch dieses Mal verschiedene forschungsmethodische Ansätze, methodologische Hintergründe sowie bestehende Desiderate diskutiert. Das jeweilige methodische und inhaltliche Wissen der Teilnehmer_innen und die Diskussion der verschiedenen Forschungsstände trugen zur gegenseitigen Bereicherung bei.

Die Teilnehmer_innen des Forschungskolloquiums im Februar 2014 in der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel.

Am Tag vor der Jahrestagung des Netzwerks fand sich das Forschungskolloquium Kulturelle Bildung zu einem weiteren Treffen zusammen. Anfang 2013 von Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss, Prof. Dr. Burkhard Hill und Dr. Tobias Fink ins Leben gerufen, bietet das Kolloquium Nachwuchswissenschaftler_innen interdisziplinärer Ausrichtung Raum für die Diskussion ihrer Promotionsprojekte und den Austausch von Erfahrungen. An der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis spannen die Promovend_innen mit ihren Themen ein breitgefächertes Feld auf. Betrachtet werden in den Arbeiten verschiedene Sparten wie etwa Musik, Fotografie, Theater, Museum oder Zirkus sowie unterschiedliche Wirkungsbereiche Kultureller Bildung.

Nach dem das Kennenlernen und Vorstellen der verschiedenen Fragestellungen, aber auch die Vernetzung der Teilnehmer_innen wesentliche Bestandteile der ersten beiden Treffen des Kolloquiums waren, haben sich die Nachwuchsforscher_innen inzwischen über die bundesweiten Treffen hinaus in mehreren Regionalgruppen organisiert. In diesen setzen sie den inhaltlichen und methodischen Austausch fort und diskutieren als Forschungswerkstätten ihr empirisches Material. Auf diesen entstandenen Strukturen aufbauend vertieften die Forscher_innen in Koblenz das Gespräch über das jeweilige Forschungsdesign ihrer Untersuchungen, diskutierten theoretische Anschlüsse aber auch aktuelle Tendenzen in der Erforschung Kultureller Bildung. Die offene und konstruktive Workshop-Atmosphäre schuf dabei einen situativen Rahmen, der neben der Präsentation der einzelnen Projekte auch die Thematisierung der im Prozess auftauchenden Probleme und Schwierigkeiten ermöglichte. Dem Konzept des Kolloquiums folgend bereicherten auch dieses Mal einige neue Teilnehmer_innen die Runde, so dass das Kolloquium einen Rahmen bietet, in dem sich die Forscher_innen auch aufgrund der unterschiedlichen Forschungsstände gegenseitig unterstützen können.

Im Anschluss an das Kolloquium nahmen die Teilnehmer_innen an der inzwischen 4. Tagung des Netzwerk Forschung Kulturelle Bildung an der Universität Koblenz-Landau teil.

Die Teilnehmer_innen des Forschungskolloquiums im Oktober 2013 an der Universität Koblenz-Landau.

Forschungskolloquium Vol. 9 – "Mir gibt das Energie!"

Zum mittlerweile 9. Mal kamen im Rahmen des Forschungskolloquiums Nachwuchswissenschaftler_innen aus dem deutschsprachigen Raum zusammen, um ihre Promotionsvorhaben konstruktiv zu diskutieren. An der Bundesakademie Wolfenbüttel, wo im Anschluss die 7. Netzwerktagung mit dem Titel "Von Mythen zu Erkenntnissen?" stattfand, fanden die Teilnehmer_innen erneut Raum zum gemeinsamen Denken. Wissenschaftlich begleitet wurden sie bei dieser kollegial-induzierten Inkubation von Prof. Dr. Fabian Hofmann, Prof. Dr. Juliane Gerland, Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss und Dr. Tobias Fink.

Während neue Teilnehmer_innen erste Ideen für ihre Promotionsvorhaben vorstellten, konnte die Nachwuchswissenschaftler_innen am Abend auf die inzwischen vierte, in Begleitung des Forschungskolloquiums abgeschlossene, Dissertation anstoßen (Herzlichen Glückwunsch, Eric!). Zwei weitere Teilnehmer_innen nutzten die Gelegenheit, um ihre Disputation zu proben und letzte Anmerkungen der Gruppe und Erfahrungswerte der bereits Promovierten zu erhalten. Es zeigte sich auch dieses Mal, dass die Bandbreite der verhandelten Themen, die vielfältigen fachlichen Hintergründe der Anwesenden und die unterschiedlich weit fortgeschrittenen Promotionsprojekte einen ganz besonderen, intensiven und interdisziplinären Austausch ermöglichen.

Diskutiert wurde im Kolloquium vor allem auch das Verhältnis von Forschungsgegenstand, Forschungsfrage, Bezugstheorien und Forschungsmethoden bzw. -methodologie. Der Bedarf, diese Parameter für Forschungsvorhaben sehr genau und dezidiert zu klären, wurde auch auf der anschließenden Tagung sichtbar. Es zeigte sich dort, dass es eine enorme Herausforderung darstellt, ein Forschungsdesign zu entwickeln, das dem untersuchten Gegenstand wirklich gerecht wird. Allzu oft bleibt von dem, was die Kulturelle Bildung maßgeblich auszeichnet – die ästhetische Erfahrung, das Erleben der Künste – nicht mehr viel übrig. Genau hier setzt das Forschungskolloquium an und hat sich zum Ziel gesetzt, neue Formen der Erforschung zu finden, um eine gegenstandsadäquate Wissenschaft voranzutreiben.

Vor diesem Hintergrund beschäftigte sich die Gruppe auch mit der Frage, welche Rolle der Entstehungskontext einer Dissertation spielt. Wann beschränken Legitimationsansprüche, die von außen immer noch an die Kulturelle Bildung herangetragen werden, die Freiheit der eigenen Forschung? Wo erzeugt die Anbindung eines Promotionsvorhabens an ein gefördertes, befristetes Projekt Synergien und Chancen oder aber auch ungewollte Eingrenzung? Wann und wie werden die Erkenntnisse der Wissenschaft tatsächlich fruchtbar für das Praxisfeld?

Mit diesen Fragen und Eindrücken wurden die Nachwuchswissenschaftler_innen des 9. Forschungskolloquiums am Dienstagabend entlassen, um in der Landesmusikakademie der Eröffnung der 7. Netzwerktagung beizuwohnen. Dort setzte sich der intensive Austausch in den nächsten drei Tagen mit den gut 160 Teilnehmer_innen der Tagung fort.

Constanze Schulte

Constanze Schulte ist Teilnehmerin des Forschungskolloquiums, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ruhr-Universität Bochum und schreibt Ihre Dissertation über ein Angebot der Kulturellen Bildung im Bereich Tanz.

Interessierte Nachwuchswissenschaftler_innen können sich für verfügbare Plätze im Kolloquium unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bewerben.