Perspektivenwechsel in der Kulturvermittlung: Kanon, Codes und Re-Kodierung

OPEN CALL

Festspielhaus St. Pölten, Österreich
25. - 26. Januar 2019 
Open Call bis 30. Mai 2018

Das Netzwerk Kulturvermittlung Niederösterreich veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Masterstudiengang Kulturvermittlung des Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim sein viertes Symposium zu aktuellen Fragen der Kulturvermittlung im Dialog von Praxis der Kulturvermittlung, Wissenschaft und Kunst.
2019 geht es um Utopien für Kulturvermittlung: um die Neu-Verhandlung von inhaltlichem Kanon, Rezeptionsweisen und Strukturen in Kultureinrichtungen.

Utopie wird hier als Möglichkeitsraum verstanden, den wir noch nicht kennen (können). Es wird danach gefragt, wie institutionalisierte Normen und Erwartungen an die Vermittlung und Aneignung von kulturellen Artefakten aufgebrochen werden können. Wie lässt sich ein künstlerischer und kultureller Kanon hinterfragen und neu definieren? Wie kann man durch Kulturvermittlung Konventionen der Kunst-Rezeption erweitern und verändern? Welche künstlerisch-kulturelle Kuration und Vermittlung kann in Auseinandersetzung mit heterogenen kulturellen Interessen und Praktiken einer diversen Bevölkerung entwickelt werden? Wie gelingt Kulturvermittlung in einer Gesellschaft mit zunehmend heterogenen kulturellen Interessen der Spagat zwischen Dienstleistung für eine Einrichtung und Neuverhandlung kultureller Ansprüche?

Beispielhaft möchte sich auch das Symposium selbst für neue Formate der Wissensvermittlung öffnen und die klassischen Formen einer wissenschaftlichen Tagung erweitern. Wie bereits bei den vorangegangenen Symposien sollen einerseits künstlerischpraktische
Workshops als alternative Form des Erkenntnisgewinns ein zentraler Bestandteil sein, zum anderen sind insbesondere auch solche Referent/innen aus der wissenschaftlichen, künstlerischen oder kulturvermittelnden Praxis gefragt, die die üblichen repetitiven Formen wissenschaftlicher Präsentation verlassen und neue Wege des Diskurses
bestreiten. Denkbar wären u.a. immersiv gestaltete VortragsRÄUME – narrative spaces – in denen Themen und Diskurse verhandelt und improvisiert werden.

Folgende Fragen sollen im Rahmen des Symposiums bearbeitet werden:

1. Neuverhandlung von Codes der Rezeption und Kanon der Programme von Kultureinrichtungen unter Einbezug kultureller Interessen diverser gesellschaftlicher Gruppen
Wie gelingt es, unterschiedliche Perspektiven und kulturelle Erfahrungen
verschiedener Bevölkerungsgruppen in Vermittlungsprozesse über den kulturellen Kanon einer Gesellschaft einzubringen?
Wie lässt sich „gesellschaftlich wertvolles Kulturgut“ in kritischer Auseinandersetzung mit dem zumeist fachwissenschaftlich definierten Kanon und unter Fragen von „Shared Cultural Heritage“ zwischen Enkulturation auf der einen Seite und Diversität der Perspektiven auf der anderen Seite neu verhandeln? Welchen Wert hat „kulturelles Erbe“ für die Gesellschaft und nachfolgende Generationen und wie verändert sich die Sicht auf kulturelles Erbe in einer Migrationsgesellschaft?
Wie lässt sich Kulturvermittlung zwischen Wissensweitergabe, Entertainment und Gamification gestalten? Wie unterhaltsam darf für „gut und wertvoll“ befundene Kunst und Kultur sein? Wie können kulturelle Interessen z.B. im Bereich Games, Entertainment, Pop berücksichtigt werden?
Auf welche Weise verändern digitale Kulturen Formate und Inhalte von
Kulturvermittlung?

2. Veränderung institutioneller Strukturen durch Kulturvermittlung
Wie kann Kulturvermittlung zu programmatischen und strukturellen Veränderungen in klassischen Kultureinrichtungen beitragen? Wie wird Vermittlung zum Motor für Veränderungen? Wie kann Vermittlung bereits im Entstehungsprozess künstlerischer Produktion und Kuration ansetzen?
Von wessen Interessen aus lässt sich Vermittlung denken? Kann man als
Vermittler/in neutral sein? Müssen Kulturvermittler/innen in erster Linie die Interessen ihrer Einrichtung vertreten, oder sind sie Anwälte von Publikum und Teilnehmenden? Ist Kulturvermittlung Teil des Systems oder ein Katalysator für gesellschaftliche Veränderungen?

Für eine Einreichung geeignet sind:
Beiträge, die sich mit den Themenfeldern Kulturvermittlung und Kanon/Kulturelles Erbe, Kulturvermittlung und Entertainment, Kulturvermittlung und Change Management, Utopien der Kulturvermittlung theoretisch/empirisch wissenschaftlich,
ästhetisch-diskursiv oder auch als reflektierte künstlerische Praxis, Performance oder partizipative Aktion befassen.

Der Aufruf gilt für Vorträge und Workshop-Angebote.
Wir übernehmen die Kosten für An- und Abreise, die Hotelkosten sowie ein Honorar.
Einreichungsschluss ist der 30.5. 2018

Bei Ihrer Einreichung müssen folgende Angaben gemacht werden:
● Titel des Vortrags oder Workshops
● Vollständiger Name und Kontaktdaten
● Zusammenfassung (maximal 500 Zeichen)
● Format (Workshop, Vortrag, Diskussion, Round Table, etc.)
● (Lern-)Ziele für die TeilnehmerInnen
● Links und/oder Publikationsliste (falls vorhanden)
● Präsentationssprache (bevorzugt Deutsch und Englisch)

Manuskripte inkl. Abstract und Kontaktinformationen, Publikationsliste und Linkliste an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Für den Inhalt verantwortlich:
Netzwerk Kulturvermittlung Niederösterreich und Masterstudiengang Kulturvermittlung
Universität Hildesheim (Prof. Dr. Birgit Mandel)

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