Perspektivenwechsel in der Kulturvermittlung

4. Internationales Symposium Kulturvermittlung

Festspielhaus St. Pölten, Österreich
25. - 26. Januar 2019 

Das Netzwerk Kulturvermittlung Niederösterreich veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Masterstudiengang Kulturvermittlung des Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim sein viertes Symposium zu aktuellen Fragen der Kulturvermittlung im Dialog von Praxis der Kulturvermittlung, Wissenschaft und Kunst.
2019 geht es um Utopien für Kulturvermittlung: um die Neu-Verhandlung von inhaltlichem Kanon, Rezeptionsweisen und Strukturen in Kultureinrichtungen.

Utopie wird hier als Möglichkeitsraum verstanden, den wir noch nicht kennen (können). Es wird danach gefragt, wie institutionalisierte Normen und Erwartungen an die Vermittlung und Aneignung von kulturellen Artefakten aufgebrochen werden können. Wie lässt sich ein künstlerischer und kultureller Kanon hinterfragen und neu definieren? Wie kann man durch Kulturvermittlung Konventionen der Kunst-Rezeption erweitern und verändern? Welche künstlerisch-kulturelle Kuration und Vermittlung kann in Auseinandersetzung mit heterogenen kulturellen Interessen und Praktiken einer diversen Bevölkerung entwickelt werden? Wie gelingt Kulturvermittlung in einer Gesellschaft mit zunehmend heterogenen kulturellen Interessen der Spagat zwischen Dienstleistung für eine Einrichtung und Neuverhandlung kultureller Ansprüche?

Beispielhaft möchte sich auch das Symposium selbst für neue Formate der Wissensvermittlung öffnen und die klassischen Formen einer wissenschaftlichen Tagung erweitern. Wie bereits bei den vorangegangenen Symposien sollen einerseits künstlerischpraktische Workshops als alternative Form des Erkenntnisgewinns ein zentraler Bestandteil sein, zum anderen sind insbesondere auch solche Referent/innen aus der wissenschaftlichen, künstlerischen oder kulturvermittelnden Praxis gefragt, die die üblichen repetitiven Formen wissenschaftlicher Präsentation verlassen und neue Wege des Diskurses bestreiten. Denkbar wären u.a. immersiv gestaltete VortragsRÄUME – narrative spaces – in denen Themen und Diskurse verhandelt und improvisiert werden.

Folgende Fragen sollen im Rahmen des Symposiums bearbeitet werden:

1. Neuverhandlung von Codes der Rezeption und Kanon der Programme von Kultureinrichtungen unter Einbezug kultureller Interessen diverser gesellschaftlicher Gruppen
Wie gelingt es, unterschiedliche Perspektiven und kulturelle Erfahrungen verschiedener Bevölkerungsgruppen in Vermittlungsprozesse über den kulturellen Kanon einer Gesellschaft einzubringen? Wie lässt sich „gesellschaftlich wertvolles Kulturgut“ in kritischer Auseinandersetzung mit dem zumeist fachwissenschaftlich definierten Kanon und unter Fragen von „Shared Cultural Heritage“ zwischen Enkulturation auf der einen Seite und Diversität der Perspektiven auf der anderen Seite neu verhandeln? Welchen Wert hat „kulturelles Erbe“ für die Gesellschaft und nachfolgende Generationen und wie verändert sich die Sicht auf kulturelles Erbe in einer Migrationsgesellschaft?
Wie lässt sich Kulturvermittlung zwischen Wissensweitergabe, Entertainment und Gamification gestalten? Wie unterhaltsam darf für „gut und wertvoll“ befundene Kunst und Kultur sein? Wie können kulturelle Interessen z.B. im Bereich Games, Entertainment, Pop berücksichtigt werden?
Auf welche Weise verändern digitale Kulturen Formate und Inhalte von Kulturvermittlung?

2. Veränderung institutioneller Strukturen durch Kulturvermittlung
Wie kann Kulturvermittlung zu programmatischen und strukturellen Veränderungen in klassischen Kultureinrichtungen beitragen? Wie wird Vermittlung zum Motor für Veränderungen? Wie kann Vermittlung bereits im Entstehungsprozess künstlerischer Produktion und Kuration ansetzen?
Von wessen Interessen aus lässt sich Vermittlung denken? Kann man als Vermittler/in neutral sein? Müssen Kulturvermittler/innen in erster Linie die Interessen ihrer Einrichtung vertreten, oder sind sie Anwälte von Publikum und Teilnehmenden? Ist Kulturvermittlung Teil des Systems oder ein Katalysator für gesellschaftliche Veränderungen?

Für den Inhalt verantwortlich:
Netzwerk Kulturvermittlung Niederösterreich und Masterstudiengang Kulturvermittlung

Programm